Interview mit Josef Buchner: „Wichtig wird sein, dass die Medien- und Methodenvielfalt gelebte Realität wird“

Home  >>  Augmented Reality  >>  Interview mit Josef Buchner: „Wichtig wird sein, dass die Medien- und Methodenvielfalt gelebte Realität wird“

Interview mit Josef Buchner: „Wichtig wird sein, dass die Medien- und Methodenvielfalt gelebte Realität wird“

(Quelle: privat)

Lehrer Josef Buchner ist durch seine innovativen Unterrichtsmethoden und deren ständige Weiterentwicklung im Bildungswesen bekannt. Wir konnten ihn als Workshop Leiter für unsere Fachveranstaltung am 15.Juni an der FH Burgenland gewinnen.

Als Fachmann für den Einsatz von Augmented Reality im Unterricht stand er uns bei einem kurzen Interview Rede und Antwort.

 

Wie kam es dazu, dass Sie Augmented Reality in Ihrem Unterricht einsetzen?

Ich bin eigentlich ständig auf der Suche nach neuen Ideen, wie man Unterricht ansprechend und vor allem auch mal anders gestalten kann. Bei meinen Recherchen bin ich dann auf AR gestoßen und habe schnell herausgefunden, dass man heute dafür nur mehr ein Smartphone mit Kamerafunktion und eine entsprechende AR App braucht (und natürlich Internet ;)). Da meine Schülerinnen und Schüler alle über ein Smartphone verfügen, habe ich mir gedacht: Ich möchte ihnen zeigen, wie man mit diesem mobilen Alleskönner Unsichtbares sichtbar machen kann, denn genau das ist das große Potential von AR. Studien zum Einsatz von AR haben mir dann auch gezeigt, dass AR sich hervorragend für offene und mobile Lernumgebungen nutzten lässt. Da ich solche Lernszenarien immer wieder in meinen Unterricht integriere, habe ich mir gesagt: Einfach auch mal mit AR probieren.

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Ich habe AR im Geschichtsunterricht im Rahmen eines offenen und mobilen Stationenbetriebs eingesetzt. Die Schülerinnen und Schüler haben sich die Inhalte über AR-Elemente erschlossen, konnte dabei ihr Vorgehen frei wählen. In diesem Fall waren die AR-Elemente Videos und die Trigger-Objekte Bilder der ersten Szene der Videos. Durch Abscannen der im Klassenzimmer verteilten Bilder wurden diese dann „lebendig“. Weiters haben wir an der PH Niederösterreich Kunstwerke um AR-Elemente ergänzt. Scannt man nun bekannte Bilder ab, spazieren Studentinnen und Studenten in das Bild und führen eine Bildanalyse direkt im und am Bild durch.

Worin sehen Sie didaktisches Potential von Augmented Reality im Unterricht?

Die Kinder und Jugendlichen lernen, wie sie ihre Smartphones sinnvoll für Lernprozesse nutzen können. Außerdem können ganz neue Lernziele erreicht werden, etwa wenn man Schülerinnen und Schüler selber AR-Rundgänge gestalten lässt. Besonders die Motivation von Lernenden kann mit AR gefördert werden. Dies konnte auch im Rahmen meiner Umsetzung gezeigt werden, die Lernenden meldeten ein hohes Interesse an den Inhalten zurück und nahmen die AR-Lernumgebung als autonomiefördernd und unterstützend für den Kompetenzerwerb war. Auch Animationen können mittels AR dargestellt werden, diese unterstützen nachweislich das Lernen von abstrakten Prozessen. Besonders hervorzuheben ist, dass das Nicht-sichtbare sichtbar gemacht werden kann. In der Römerstadt Carnuntum stehen z.B. nicht mehr alle Gebäude, über eine App lassen sich diese erneut als Rekonstruktionen sichtbar machen. Die Lernenden bekommen einen authentischen Eindruck der Umwelt und können noch dazu mit dieser in Interaktion (z.B. per Zoom oder durch das Anzeigen weiterer Informationen) treten. Das räumliche Vorstellungsvermögen wird unterstützt, z.B. wenn es um die Auseinandersetzung mit dreidimensionalen Objekten geht.
Das größte Potential liegt sicher in der Kombination AR und Gamification. Viele Beispiele in der Literatur stellen Spiele vor, die um AR-Elemente angereichert werden. So könnte dann z.B. eine Rätselrallye in der Schule zu einem Abenteuer im Dschungel werden. Scannt man verschiedene Bereiche des Schulgebäudes ab, entstehen dort die für das Spiel notwendigen Schauplätze. Aus einem Fußballfeld hinter der Schule wird dann ein reißender Fluss, der Weg daneben zur wackeligen Hängebrücke. Diese und ähnliche Lernszenarien können zu individualisiertem und personalisiertem Lernen einen wichtigen Beitrag leisten.

Sie beschäftigen sich viel mit innovativen Lehr- und Lernmethoden, vor allem im digitalen Bereich. Wie glauben Sie gestaltet sich der Unterricht der Zukunft?

Es wird eine Mischung aus digital und analog sein. Ich sehe überhaupt keine Tendenzen, wie sie meist von den Kritikern der Digitalisierung vorgebracht werden, dass Unterricht, Schule und Bildung komplett digitalisiert werden soll. Ganz im Gegenteil, wir sind weit von einem flächendeckenden Einsatz digitaler Technologie zur Unterstützung von Lehr- und Lernprozessen entfernt. AR zeigt bereits, welches Potential in der Kombination aus analog und digital steckt, z.B. bietet das Start-Up Areeka Themenhefte zu Physik und Geschichte an. In diesen werden klassische Buchdarstellungen um AR-Elemente ergänzt, 3D-Visualisierungen unterstützen die Kindern und Jugendlichen bei der Vorstellung komplexer Inhalte. Wichtig wird sein, dass die Medien- und Methodenvielfalt gelebte Realität wird und so den Potentialen unserer Schülerinnen und Schüler gerechter wird, als dies jetzt immer der Fall ist.

(c) Beitragsbild: Amlogy GmbH

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code